Männeln, Schwibbögen und Neunerlei – Die bekanntesten Erzgebirgsbräuche
Die meisten Brauchtümer im Erzgebirge haben etwas mit der Weihnachtszeit zu tun. Weit über die Region hinaus bekannt ist die erzgebirgische Holzschnitzkunst – Engel und Bergmänner, Nussknacker und Räuchermännchen, Pyramiden und Schwibbögen findet man in der Adventszeit in vielen Fenstern.
In den Erzgebirgsorten selbst ist in dieser Zeit kaum ein Fenster ohne Schwibbogen, große Pyramiden und Schwibbögen schmücken die Marktplätze.
Zu Weihnachten kommt bei den Erzgebirglern Neunerlei auf den Tisch, neun verschiedene Gerichte und Zutaten, die stark variieren können, doch jede Speise hat ihre besondere Bedeutung. Andere Bräuche gehen auf für die Region typische Gewerke zurück.
Die meisten Brauchtümer findet man bei den Bergleuten, wie die Bergparaden oder die Mettenschicht, die letzte Schicht vor Weihnachten. Die Hutzenstuben dagegen gehören zur Tradition der Klöpplerinnen.
Bräuche rund um die Greifensteine
Die einzigartigen Felsformationen der Greifensteine, die u. a. eine Felsenbühne bergen, liegen zwischen Ehrenfriedersdorf, Geyer und Thum. In diesen Orten wird, wie überall im Erzgebirge, das Brauchtum gepflegt. So findet z. B. in Thum am 1. Advent eine Bergparade statt, in Geyer veranstalten die Bergleute am 4. Advent einen Umzug in ihren traditionellen Trachten.
Über die Greifensteine und ihre heute verschwundene Ritterburg gibt es viele Sagen, in denen von Geisterhunden bewachte Schätze, Berggeister und Raubritter eine Rolle spielen.
Erzgebirgsbräuche früher und heute
Viele Jahrhunderte lang war der Bergbau die Haupterwerbsquelle, deshalb haben die meisten Erzgebirgsbräuche ihren Ursprung im Arbeitsalltag der Bergleute. So war es in alten Zeiten üblich, eine Kerze ins Fenster zu stellen – die Bergleute verließen oft vor Tagesanbruch das Haus und arbeiteten den ganzen Tag unter der Erde, dadurch war ihre Sehnsucht nach Licht sehr groß. Heute wird die Kerze durch die Lichter des Schwibbogens ersetzt.
Im Erzgebirge verlangte es die Tradition von einem frischgebackenen Vater, dass er für einen Sohn einen Bergmann und für eine Tochter einen Engel schnitzte und die Figuren ins Fenster stellte. So konnte jeder sehen, wieviele Kinder im Haus wohnten. Engel und Bergmänner gehören heute zur traditionellen Weihnachtsdekoration.
Viele Frauen der Bergleute trugen mit Klöppeln etwas zum Familienunterhalt bei. Die Klöpplerinnen trafen sich im Winter in der Hutzenstube, um Brennmaterial zu sparen. Bei der Arbeit wurde viel gesungen – überwiegend in Mundart. Die Hutzenstube ist der Ursprung für die heutigen Hutzenabende, die in Lokalen oder daheim gefeiert werden und bei denen es oft sehr lustig zugeht – es wird traditionell gegessen, getrunken und in Mundart gesungen. Klöppeln ist heute ein beliebtes Hobby für viele Erzgebirglerinnen.
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