Greifensteine geologisch

Die geologische Besonderheit der Greifensteine

Wer die Greifensteine im Erzgebirge zum ersten Mal besucht, wird aufgrund ihrer Optik sicherlich überrascht sein. Klassische Berge oder Felsen stellt man sich jedenfalls anders vor, irgendwie bewachsener, bergiger und weniger steinig.

Die Greifensteine hingegen sind schon eine geologische Besonderheit wie sie nicht oft in Deutschland zu finden ist. Der erste dieser beeindruckenden Gesteine, der damals einzige Greifenstein, entstand noch weit vor dem 19. Jahrhundert, über den genauen Zeitraum kann jedoch nur gemutmaßt werden.

Über seine Entstehung an sich ist jedoch deutlich mehr bekannt. So sind die Greifensteine auf Plattenverschiebungen und -faltungen zurückzuführen. Als die Erdschichten sich verschoben, entstanden natürliche Risse in der Erdoberfläche. Diese Risse wiederum füllten sich mit Magma, dem flüssigen Vulkansgestein. Über der Erdoberfläche verhärtete sich das Magma jedoch aufgrund der deutlich niedrigeren Temperaturen. Diese steinharte Kruste bildete den Granitstock des ersten Greifensteins.

Im Laufe der Jahre wurde dieser Granitstock immer weiter freigelegt und nach oben gedrückt – es entstand der erste Granitfelsen. Auf ebendiese Weise entstanden auch zwölf weitere Greifensteine, von denen heute leider nur noch sieben erhalten sind.

Warum sehen die Greifensteine so einzigartig aus?

Die Greifensteine bilden die Spitze eines Plutons, das heisst, des aufgestiegenen, erkalteten Magmas. Die Granitfelsen waren einst klassische Felsen in konventioneller Form. Den besonderen Witterungsumständen des Erzgebirges sei Dank, erhielten die heute noch erhaltenen sieben Steine eine ganz besondere Optik. Man spricht hierbei von der Wollsack-Optik.

Im Zuge der Wollsack- oder auch Matratzenverwitterung entstanden durch chemische und physikalische Prozesse scheinbar einzelne Felsteile, die an den Kanten stark abgerundet wurden. Auf den ersten Blick scheinen die Greifensteine also aus vielen Einzelteilen zu bestehen, was aber tatsächlich gar nicht der Fall ist. Die optische Unterteilung betrifft nur die Hülle der Felsen, im Kern hingegen liegt noch immer der feste Granitstock. Der Begriff Wollsackverwitterung ist also sinnbildlich zu verstehen, angelehnt an das Aussehen großer, mit Wolle gefüllter Leinensäcke wie sie seinerzeit im Erzgebirge üblich waren.

So entstand das Erzgebirge

Nicht nur die Greifensteine sondern das gesamte Erzgebirge blickt auf eine interessante Entstehungsgeschichte zurück. Seinen Ursprung fand das heutige Erzgebirge bereits vor rund 350 Millionen Jahren, nämlich im Karbon. Zu dieser Zeit etwa entstand durch Gesteinsfaltungen das varistische Gebirge. Flüssiges Magma drang nun aus dem Erdinneren und erstarrte unterhalb der Oberfläche zu Granit, die ersten Erzlagerstätten entstanden.

Im Laufe von Jahrmillionen wurde das varistische Gebirge durch Verwitterung wieder weitestgehend abgetragen, ein flaches Gebiet entstand. Im Tertiär vor rund 60 Millionen Jahren übte die nordamerikanische Platte durch Verschiebung derart großen Druck auf dieses Gebiet aus, dass das heutige Erzgebirge als Scholle herausgehoben wurde.

Während die Täler sich im Laufe der Jahre mit Lava füllten, die sich zu extrem festem Basalt entwickelte, wurden die Berge durch Erosion stark abgetragen. Im Rahmen einer sogenannten Reliefumkehr wurden die weicheren Berge zu Tälern und der harte Basalt der ehemaligen Täler erhob sich zu den heutigen Bergen.

Auch heute noch findet man im Erzgebirge Beispiele dieser Basaltberge, so sind beispielsweise der bekannte Pöhlberg und auch der Bärenstein nichts anderes als Reste frühzeitlicher Lava.

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