Erzgebirgische Holzkunst

Erzgebirgische Holzkunst als tief verwurzelte Tradition

“Wenn is Raachermannl nabelt…” – So beginnt eines der typischen Weihnachtslieder des sächsischen Erzgebirges und es vereint in dieser Zeile drei typisch erzgebirgische Eigenheiten, nämlich den unverkennbaren Dialekt, die weihnachtliche Tradition und die Liebe zur Holzkunst.

So sind die Raachermanneln, oder wie man auf Hochdeutsch sagen würde, Räuchermänner, das Aushängeschild in Sachen erzgebirgische Holzkunst, die hier auch Volkskunst genannt wird. Dieses Kunsthandwerk hat dabei viele Gesichter und bezieht sich schon längst nicht mehr nur auf Schnitzerei. Dutzende Kunsthandwerksstuben im gesamten Gebirge schnitzen, feilen, schleifen und schneiden um die Gebirgler und vor allem auch Touristen mit tollen Unikaten aus Holz zu versorgen.

Besonders beliebt sind neben Räuchermännern und Engeln auch Bergmänner, Fensterschmuck und Schwibbögen aus Holz, die auch ein ideales Geschenk oder Souvenir darstellen. Einige Holzkünstler aus dem Erzgebirge haben sich zudem auf die sogenannte Naturkunst spezialisiert. Das heisst, es werden beispielsweise aus alten Baumsstümpfen Skulpturen geschnitzt. So findet man vor einigen Häusern also Baumstämme in Form einer schlafenden Katze oder eines wachenden Hundes. Erzgebirgische Holzkunst ist damit zwar urtypisch und traditionell, dabei aber keineswegs altbacken.

Typisches aus dem Erzgebirge

Was sind nun eigentlich die Klassiker der erzgebirgischen Holzkunst? Ganz eindeutig die Weihnachtsdekoration. Traditionell werden im Erzgebirge Raachermannl, Nussknacker und Engel gefertigt. Aber auch die Peremett, der Schwibbogn und der Bergmaa dürfen zum Weihnachtsfest nicht fehlen. Jede einzelne, handgeschnitzte und -bemalte Figur erzählt dabei ihre eigene Geschichte.

So symbolisieren der Bergmann und der Engel zum Beispiel das Leben und Schaffen der traditionellen Bergmänner und deren Sehnsucht nach Licht und Glauben. Traditionell wurden damals für jeden in die Familie geborenen Jungen ein Bergmann und für jedes Mädchen ein Engel gefertigt. Auch heute wird dieser Brauch in den Schnitzerfamilien noch zelebriert.

Nicht weniger wichtig ist die Pyramide, die unlängst in allen Teilen Deutschlands Anklang fand. Auf mehreren Etagen erzählt sie wahlweise die Geschichte der Bergmänner, oder aber die des Christkindes. Denn der christliche Glauben zieht sich quer durch die erzgebirgische Holzkunst und ist wichtiges Element in der Schnitzerei, die seit Jahrhunderten im Erzgebirge gelehrt wird.

Die Geschichte des Schwibbogens

Der Schwibbogn und die erzgebirgische Holzkunst gehören seit dem 18. Jahrhundert unweigerlich zusammen. Bereits 1726 fertigte der Bergschmied Teller aus Johanngeorgenstadt den ersten Schwibbogen an, der einst den Ein- und Ausgang eines Bergstollens symbolisierte. Hier trafen sich die Bergmänner nach ihrer Arbeit zum Beten, der Stollenausgang wurde dazu rund um den Bogen mit Laternen behangen – der namensgebende Schwibbogen war geboren.

Seit rund 70 Jahren ist der Schwibbogen im Rahmen der Weihnachtsbräuche von großer Bedeutung für die Erzgebirgler. Meist erzählen die eingeschnitzen Motive ebenfalls die Geschichte von Josef und Maria, für atheistische und junge Leute werden Schwibbögen aber mittlerweile auch mit völlig unkonventionellen Motiven gefertigt.

Und noch etwas hat sich geändert: Wurden Schwibbögen, Pyramiden und Co. bis vor einigen Jahren noch ausschließlich mit Kerzen beleuchtet, finden sich heute zahlreiche Modelle mit integrierten Glühlämpchen für die feuersichere Weihnachtsbeleuchtung.

Eines jedoch hat sich in all den Jahren nicht geändert, nämlich die Tatsache, dass erzgebirgische Holzkunst nach wie vor unübertroffen beliebt und angesehen ist – im Erzgebirge und auch bundesweit.

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